Die Fehlschläge, die sich in der Smartphone-Kamerarolle stapeln
Ich öffne die Glasschranktür, hole die Scale-Figur heraus und schalte mein Smartphone ein. Ich drücke den Auslöser. Ich betrachte das auf dem Bildschirm erschienene Foto und seufze. Die Figur vor meinen Augen ist zweifellos schön, doch auf dem Foto sind weder der Farbverlauf der Haare noch die Plastizität der Rockfalten zu sehen. Diese Erfahrung ist seit Mitte der 2010er-Jahre, als sich Smartphone-Kameras verbreiteten, zu einem Übergangsritual geworden, das fast alle Sammler durchmachen. Mein Interesse an der Fotografie erwachte 2014, nachdem ich mir die 1/8-Scale-Figur Yukinon Yukina (Kantai Collection) von Good Smile Company zugelegt hatte. Die weiße Uniform, die im Glasschrank strahlte, war auf dem Foto milchig überbelichtet, und der Kommentar unter dem in sozialen Medien hochgeladenen Foto lautete: „Das Original wird wohl noch schöner sein."
Ich komme gleich zur Sache: Das Wichtigste bei der Figurenfotografie ist nicht die Ausrüstung, sondern die Lichtrichtung. Auch ohne DSLR oder spiegellose Kamera, ohne Stativ oder Beleuchtungsausrüstung kann man Fotos machen, die in sozialen Medien Reaktionen hervorrufen, wenn man nur weiß, wo man die Lichtquelle platziert und in welchem Winkel man die Kamera neigt. Umgekehrt wird die Figur mit einer Kamera für mehrere hunderttausend Won zu einem flachen Plastikklumpen, wenn man das Licht nicht versteht. Dieser Text ist keine Ausrüstungsrezension. Er ist eine Aufzeichnung dessen, was die Hand tun muss, nachdem man die Glasschranktür geöffnet und das Smartphone eingeschaltet hat, bevor man den Auslöser drückt.
Warum lässt Licht Figuren leben oder sterben?
Bildhauer berechnen beim Modellieren die Flächen, auf die das Licht trifft. Die Richtung jeder einzelnen Haarsträhne, die Tiefe der Stofffalten, die Höhe der Stufen auf dem Sockel – alles ist so konzipiert, dass Licht aus einem bestimmten Winkel Schatten erzeugt und Plastizität schafft. Der Grund, warum auf Dekomaster-Fotos die Haarspitzen glänzen und das Innere des Rocks durch Schattierung tief wirkt, liegt darin, dass die Lichtrichtung mit der Absicht des Bildhauers übereinstimmt. Fotografiert man hingegen unter direktem Leuchtstoffröhrenlicht, werden alle Flächen gleichmäßig erhellt, Schatten verschwinden und das Dreidimensionale wird flach.
Ich erinnere mich an den Stand eines Händlers auf dem Wonder Festival 2017. Auf dem Tisch mit ausgestellten Garage Kits (unlackierte Resin-Kits) stand nur eine schräg aufgestellte LED-Lampe, und dasselbe Modell wirkte viel plastischer als an anderen Ständen. Das Licht kam aus einem 45-Grad-Winkel von oben, und durch leichte Schatten an der Kinnlinie und neben der Nase gewann der Gesichtsausdruck Leben. Dieser Händler war kein Verkäufer von Beleuchtungsausrüstung, sondern ein Bildhauer, und er wusste, aus welchem Winkel sein Werk am besten zur Geltung kam. Ich stand zehn Minuten vor dem Stand und notierte die Position der Lampe in meinem Smartphone-Notizbuch.
Ein häufiger Fehler von Fotografie-Anfängern ist, die Figur frontal zu fotografieren. Frontallicht beleuchtet das Gesicht hell, löscht aber gleichzeitig die Schatten und macht den Ausdruck flach. Licht von der Seite offenbart die Höhe der Nase, die Tiefe der Augenhöhlen und das Volumen der Lippen durch Schatten. Wenn Lichtquelle und Kamera in unterschiedlichen Richtungen stehen, erscheint die Figur endlich dreidimensional.
Natürliches Licht mit einem einzigen Fenster
Die einfachste Lichtquelle ist ein Fenster. An klaren Tagen zwischen 10 Uhr morgens und 14 Uhr nachmittags ist diffuses Licht vom Himmel am weichsten, nicht direktes Sonnenlicht. Man platziert die Figur am Fenster, aber an einer Stelle, wo kein direktes Sonnenlicht sie trifft, und richtet die Kamera von der dem Fenster gegenüberliegenden Seite auf die Figur. Als Hintergrund eignen sich eine weiße Wand oder A4-Papier am besten. Das vom Papier reflektierte Licht beleuchtet die Rückseite der Figur sanft, und der Hintergrund wird sauber weiß.
Diese Methode verwendete ich 2015, als ich erstmals die 1/6-Scale-Figur Kasugano Sora (Yosuga no Sora) von Alter fotografierte. Ich legte weißes Zeichenpapier auf einen Schreibtisch am Fenster, stellte die Figur darauf und fotografierte von der gegenüberliegenden Seite mit einem iPhone 5S. Die Spitzendetails des weißen Kleides zeichneten durch das vom Fenster einfallende Licht Muster als Schatten, und die leichte Schattierung auf der linken Gesichtsseite verlieh dem Ausdruck Tiefe. Dieses Foto verwende ich noch heute als Profilbild in sozialen Medien. Die Ausrüstung war ein gebrauchtes Telefon für weniger als hunderttausend Won, aber die richtige Lichtrichtung genügte.
Allerdings sollte man direktes Sonnenlicht zur Mittagszeit im Sommer vermeiden. Der Hell-Dunkel-Kontrast ist zu stark, Highlights sind überbelichtet und Schatten werden pechschwarz. Diffuses Licht an bewölkten Tagen eignet sich tatsächlich besser zum Fotografieren. Das Licht ist weich und die Schatten natürlich, sodass man auch ohne Nachbearbeitung brauchbare Ergebnisse erhält.
"Azur Lane" I-404 Dance of Crimson Strings Ver. 1/6 Complete Figure Special Edition w/Display Case →Innenbeleuchtung mit LED-Lampe und A4-Papier
Wenn kein Fenster vorhanden ist oder man nachts fotografieren muss, kann man es mit einer einzigen LED-Lampe lösen. Eine Farbtemperatur um 5000K (Tageslichtweiß) gibt die Originalfarben der Figur am genauesten wieder. Warmweiß (3000K) ist zwar warm, lässt aber weiße Figuren gelblich verfärbt erscheinen, und Kaltweiß (6500K) vermittelt einen kalten und harten Eindruck. Man platziert die Lichtquelle schräg über der Figur, beleuchtet aber nicht direkt, sondern lässt das Licht von einem A4-Blatt reflektieren. So diffundiert das Licht, Schatten werden weicher und die Oberflächentextur kommt natürlich zur Geltung.
Diese Methode verwendete ich 2018 bei der Fotografie von Nendoroid Hatsune Miku: Magical Mirai 2018 Ver. Ich platzierte die LED-Lampe links oben neben der Figur und ließ das Licht vom weißen Papier abprallen. Die transparenten Teile der Twintails fingen das Licht auf und erzeugten einen grünen Farbverlauf, und der leichte Schatten auf der rechten Gesichtsseite verlieh dem für Nendoroids typischen runden Gesicht Plastizität. Auf der gegenüberliegenden Seite stellte ich ein weiteres A4-Blatt als Reflektor auf und korrigierte die Schatten, damit sie nicht zu dunkel wurden. Es dauerte zehn Minuten, ein Foto zu machen, aber als ich es in sozialen Medien hochlud, bekam ich Kommentare wie „sieht aus wie ein offizielles Produktfoto".
In Internet-Foren sehe ich gelegentlich Beiträge, die Ringlicht oder Softboxen empfehlen. Natürlich ist das gute Ausrüstung, aber für die Figurenfotografie kann es übertrieben sein. Ringlicht löscht Schatten fast vollständig und lässt die Puppe flach wirken, und Softboxen sind zu groß für kleine Räume. Mit einer Lampe und ein paar Blatt Papier kann man denselben Effekt erzielen.
Winkel und Komposition: Aus welcher Perspektive werden Figuren schön?
Dekomaster-Fotos werden fast immer aus einem Winkel aufgenommen, der etwas niedriger als Augenhöhe ist. Das nennt man Low Angle, und es lässt die Puppe groß und selbstbewusst wirken. Fotografiert man umgekehrt von oben herab, wirkt die Figur klein und der Gesichtsausdruck kommt nicht richtig zur Geltung. Wenn man die Hand mit dem Smartphone auf Tischhöhe senkt, sodass die Linse irgendwo zwischen Brust und Gesicht der Figur ausgerichtet ist, sieht man den ganzen Körper, während der Ausdruck deutlich erkennbar bleibt.
Die Grundlage der Komposition ist die Drittel-Regel. Wenn man horizontale und vertikale Linien zieht, die den Bildschirm in Drittel teilen, und Gesicht oder Mittelpunkt der Figur an den Schnittpunkten platziert, erhält man einen stabilen und gleichzeitig dynamischen Eindruck. In der Bildmitte wirkt es statisch und steif. Wenn man in den Smartphone-Kameraeinstellungen die Option „Rasterlinien" aktiviert, werden beim Fotografieren die Drittellinien auf dem Bildschirm angezeigt, was die Komposition erleichtert.
Als ich 2019 ein auf dem Wonder Festival erworbenes unlackiertes Garage Kit nach dem Zusammenbau fotografierte, platzierte ich die Figur am linken Drittel des Bildschirms und ließ den rechten Freiraum leer. Da der Blick der Figur nach rechts gerichtet war, wirkt es natürlicher, wenn man in Blickrichtung Raum lässt. Das nennt man „Blickraum" (looking space), und dieses Grundprinzip der Porträtfotografie gilt auch für Figuren.
Azur Lane Shinano Moonlit Chrome Ver. Special LED Acrylic Display Case →Hintergrund aufräumen und Nachbearbeitung: Was Fotos ruiniert
Egal wie schön die Figur ist, wenn im Hintergrund unordentliche Gegenstände zu sehen sind, wirkt das gesamte Foto unruhig. Wenn man sich angewöhnt, vor der Fotografie den Bereich einen Meter hinter der Figur aufzuräumen, kann man die Nachbearbeitungszeit erheblich verkürzen. Eine weiße Wand ist am unkompliziertesten, und wenn keine Wand vorhanden ist, kann man ein weißes Tuch oder großformatiges Papier aufstellen. Fehler wie „Die Figur ist schön, aber dahinter sieht man einen Wäscheständer", die man gelegentlich in Foren sieht, lassen sich durch drei Minuten Hintergrund aufräumen vermeiden.
Bei mit dem Smartphone aufgenommenen Fotos stimmen meist Belichtung (Helligkeit) oder Farbtemperatur nicht ganz. Mit der Bearbeitungsfunktion der Standard-Galerie-App kann man schon ausreichend nachhelfen. Man erhöht die Helligkeit leicht, senkt aber die Highlights (hellste Bereiche), um Überbelichtung zu verhindern, und hebt die Schatten etwas an, um Details hervorzubringen. Die Sättigung berührt man nicht oder erhöht sie nur minimal. Übermäßige Sättigungskorrektur lässt Figuren wie Plastikspielzeug aussehen.
Meine bevorzugte kostenlose App ist Snapseed. Mit der Funktion „Details" kann man die Oberflächentextur der Figur schärfen, und mit „Selektiv" nur die Helligkeit des Gesichts erhöhen und es betonen. Nachdem ich 2020 die 1/7-Scale-Figur Tohsaka Rin (Fate/stay night) von Alter fotografiert hatte, erhöhte ich nur für das Gesicht die Helligkeit um 10 % und verstärkte leicht die Schärfe, woraufhin die Highlights in den Pupillen deutlicher wurden und Lebendigkeit einzog. Die Bearbeitungszeit betrug fünf Minuten, und im Vergleich zum Original war der Unterschied deutlich, aber nicht übertrieben.
Ist Fotografieren im Glasschrank möglich?
Viele Sammler versuchen, Figuren im Glasschrank zu fotografieren, ohne die Tür zu öffnen. Aufbewahrung im Glasschrank zum Schutz vor Staub und Verfärbung ist selbstverständlich, aber durch Glas entstehen Reflexionen und Verzerrungen. Leuchtstoffröhren oder Fenster spiegeln sich auf der Glasoberfläche, und manchmal erscheint die Kameralinse selbst als Punkt im Foto. Schaltet man die LED-Beleuchtung des Glasschranks ein, werden die Reflexionen noch schlimmer.
Die sauberste Methode ist, die Glasschranktür zu öffnen und die Figur herauszunehmen. Wenn das Herausnehmen jedes Mal zu umständlich ist, kann man Reflexionen reduzieren, indem man dicht am Glas fotografiert. Man hält die Linse fast direkt an das Glas und bedeckt die Umgebung mit schwarzem Tuch oder Kleidung, damit kein Licht durchdringt, wodurch das Glas nahezu transparent erscheint. Diese Technik lernte ich 2016 beim Fotografieren von Vitrinen in japanischen Gebrauchtwarenläden, und sie ist nützlich in Situationen, in denen man die Figur nicht berühren kann.
Fotografiert man nur mit der LED-Innenbeleuchtung des Glasschranks, scheitert man meist. Die LED-Farbtemperatur passt nicht, die Figur erscheint gelb oder blau, und da die Lichtposition festgelegt ist, kann man die Schattenrichtung nicht anpassen. Besser ist es, eine externe Lichtquelle hinzuzufügen oder die Glasschrank-LED ganz auszuschalten und den Glasschrank ans Fenster zu stellen, um mit natürlichem Licht zu fotografieren.
Atelier Ryza 2: Lost Legends & the Secret Fairy 1/6 Scale Figure - Ryza (Black Swimwear/Tanned Ver.) by Spiritale →Was mir die Fotografie über das Betrachten von Figuren beigebracht hat
Die größte Veränderung, die ich durch das eigene Fotografieren von Figuren erlebte, war das „sehende Auge". Details, die mir nicht auffielen, als ich die Figuren nur im Glasschrank stehen ließ und im Vorbeigehen betrachtete, fallen durch den Kamerasucher einzeln ins Auge. Die Verarbeitung der Clear-Teile an den Haarspitzen, die Schattierungsbemalung im Inneren der Stofffalten, die natürliche Krümmung jedes einzelnen Fingers – die Fotografie veränderte die Art und Weise, wie ich Figuren betrachte, grundlegend.
Als ich 2021 die 1/7-Scale-Figur Rem (Re:ZERO – Starting Life in Another World) von Good Smile Company fotografierte, nahm ich zum ersten Mal die Textur des Sockels in Nahaufnahme auf. Die Holzmaserungsimitation war präziser als erwartet, und selbst die Staubdarstellung an den Rändern war sorgfältig ausgeführt. Als ich sie im Glasschrank aufgestellt betrachtete, war mir dieser Teil überhaupt nicht aufgefallen. Seitdem fotografiere ich neue Figuren immer einmal, bevor ich sie in den Glasschrank stelle. Die Kamera ist gründlicher als mein Auge.
Das Hochladen von Fotoaufzeichnungen in sozialen Medien brachte auch den Spaß am Austausch mit anderen Sammlern. Beim Betrachten von Fotos derselben Figur aus anderen Winkeln und mit anderem Licht entdeckt man „ach, dieser Ausdruck ist auch möglich", und durch den Austausch von Fototipps verbesserten sich die Fähigkeiten. War Figurensammeln ein Hobby des „Kaufens und Sammelns", so vertiefte sich die Fotografie zu einem Hobby des „Beobachtens und Dokumentierens".
FAQ
Sollte ich ein Smartphone oder eine Kamera kaufen?
Beginnen Sie mit dem Smartphone. Mittelklasse-Smartphones, die ab 2020 erschienen sind, liefern ausreichende Bildqualität für die Figurenfotografie. Auch nachdem Sie Lichtrichtung und Komposition gelernt haben, können Sie über eine Kamera nachdenken, wenn Sie das Gefühl haben, bessere Ergebnisse zu benötigen – es ist nicht zu spät. Wichtiger als die Ausrüstung ist das Auge fürs Licht. Selbst wenn Sie eine Kamera für mehrere hunderttausend Won kaufen, ist sie nicht besser als ein Smartphone, wenn Sie unter Leuchtstoffröhrenlicht frontal fotografieren.
Ist ein Stativ unbedingt notwendig?
Es hilft, wenn die Verwacklung stark ist oder Sie an dunklen Orten fotografieren. Mini-Stative für Smartphones sind ab zehntausend Won erhältlich und praktisch für die Verwendung auf dem Schreibtisch. Allerdings ist die Bildstabilisierungsleistung aktueller Smartphones beim Fotografieren aus der Hand so gut, dass es kein großes Problem darstellt. Zeit in die Anpassung der Lichtquellenposition zu investieren, ist effektiver für die Verbesserung der Ergebnisse als ein Stativ.
Bei Nahaufnahmen von Figuren wird das Bild unscharf – was soll ich tun?
Wenn die Smartphone-Kamera zu nah an die Figur gebracht wird, stimmt der Fokus nicht. Die Mindestaufnahmedistanz variiert je nach Modell, liegt aber in der Regel bei etwa 10–15 cm. Wenn es zu nah ist, sollten Sie einen Schritt zurücktreten, fotografieren und dann das Foto zuschneiden (croppen). Tippen Sie mit dem Finger auf den Bildschirm, um den Fokus manuell einzustellen, und berühren Sie genau das Gesicht oder den Bereich, den Sie betonen möchten, um die Schärfe zu erhöhen.
Kann ich den Hintergrund unscharf machen und nur die Figur scharf abbilden?
Mit dem Porträtmodus (Bokeh-Modus) des Smartphones kann man den Hintergrund unscharf machen. Allerdings erkennt die KI manchmal die Grenze zwischen Figur und Hintergrund falsch, sodass Haare oder kleine Teile abgeschnitten werden – überprüfen Sie das Ergebnis nach der Aufnahme vergrößert. Natürliche Hintergrundunschärfe erhält man, indem man ausreichend Abstand zwischen Motiv und Hintergrund schafft und so nah wie möglich an die Figur herangeht. Bei Kameraaufnahmen sind Festbrennweiten ab 50 mm und offene Blenden (f/1.8–2.8) für einen deutlichen Effekt geeignet.
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Mögen auch heute gute Begegnungen Ihren Glasschrank erreichen.


