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YOSIMARKET COLUMN

Die Kunst der Pilgerfahrt: Von Akihabara bis Den Den Town, die vollständige Eroberung der Otaku-Einkaufsviertel

Wir erkunden drei der repräsentativsten Otaku-Pilgerstätten Japans eingehend. Von den Besonderheiten jeder Region über versteckte Geheimtipps bis hin zu Strategien für eine effiziente Ladentour – ein Praxisleitfaden für Figuren-Jäger.

Die Kunst der Pilgerfahrt: Von Akihabara bis Den Den Town, die vollständige Eroberung der Otaku-Einkaufsviertel
Photo: ElHeineken / CC BY

Drei Pilgerstätten, drei unterschiedliche Charaktere

Jeder Figuren-Fan, der Japan besucht, träumt mindestens einmal von einer „Pilgerfahrt". Akihabara in Tokyo, Nakano Broadway im Westen derselben Stadt und Den Den Town in Osaka – diese drei Orte haben sich jeweils als Zentren der japanischen Otaku-Kultur etabliert, doch bei näherer Betrachtung besitzt jeder von ihnen eine ganz eigene Färbung.

Wenn Akihabara ein glänzendes, kommerzielles Schaufenster ist, dann ist Nakano Broadway ein labyrinthisches Schatzkästchen. Den Den Town positioniert sich irgendwo dazwischen und verströmt dabei die einzigartige Atmosphäre der Kansai-Region. Selbst wenn man nach derselben Figur sucht, macht es einen völlig anderen Eindruck, durch welche Straßen man schlendert. In dieser Kolumne möchte ich die Besonderheiten jeder Pilgerstätte vorstellen und gleichzeitig Methoden aufzeigen, wie man die Läden effizient durchstreift.

Akihabara: An der vordersten Front der sich wandelnden Otaku-Kultur

Steigt man am Bahnhof Akihabara aus und geht in Richtung Elektroviertel, fällt einem als Erstes das Akihabara Radio Kaikan ins Auge. Dieses 1962 eröffnete Gebäude war einst ein Elektrobauteil-Kaufhaus, doch heute sind auf jeder Etage Fachgeschäfte für Figuren, Plastikmodellbau, Retro-Spiele und Sammelkartenspiele dicht an dicht angesiedelt. Besonders hervorzuheben ist, dass sich Läden für gebrauchte Figuren über mehrere Stockwerke verteilen, was den Vorteil bietet, dass man Preisvergleiche innerhalb eines einzigen Gebäudes anstellen kann.

Der Reiz des Radio Kaikan liegt in seiner Spezialisierung. Ein Laden konzentriert sich ausschließlich auf Tokusatsu-Figuren, ein anderer nur auf Militärmodelle. Wenn man genau weiß, welches Genre man sucht, empfiehlt es sich, die Stockwerkspläne sorgfältig zu studieren. Anstatt den Aufzug zu nehmen, erhöht man die Chance auf verborgene Schätze, wenn man langsam die Treppen hinaufgeht und jede Etage erkundet.

Ein weiteres Merkmal Akihabaras ist die Koexistenz großer Ketten und individueller Fachgeschäfte. Entlang der Hauptstraße sieht man mehrstöckige Großläden, doch geht man nur einen Block in die Seitengassen, reihen sich kleine Second-Hand-Shops von kaum mehr als 30 Quadratmetern aneinander. Preislich sind die großen Ketten in der Regel stabiler und transparenter, aber in den kleinen Fachgeschäften ist die Wahrscheinlichkeit höher, je nach Geschmack des Inhabers seltene Artikel eines bestimmten Genres zu entdecken. Beide haben ihre Vor- und Nachteile, also lohnt es sich, wenn die Zeit es erlaubt, in beiden Kategorien zu stöbern.

Photo: Marc-Anthony Macon / CC BY-SA

Nakano Broadway: Eine Schatzkammer, in der die Zeit stillsteht

Geht man vom Nordausgang des Bahnhofs Nakano etwa fünf Minuten durch die Nakano Sunshine-Einkaufsstraße, erscheint ein Einkaufskomplex aus den 1960er Jahren. Das ist Nakano Broadway. Das Erdgeschoss ist eine gewöhnliche Ladenpassage, doch ab dem zweiten Stock entfaltet sich eine völlig andere Welt.

Das größte Merkmal hier ist die Dichte an spezialisierten Second-Hand-Läden. Geht man durch die engen Gänge, sind Dutzende kleiner Geschäfte labyrinthartig miteinander verbunden, und jeder Laden verfügt über einen völlig anderen Bestand. Ein Laden führt ausschließlich Super-Roboter-Spielzeug aus den 1980er Jahren, ein anderer nur limitierte Garage Kits, wieder ein anderer nur Vintage-Cel-Bilder. Wenn Akihabara „breit und flach" ist, dann ist Nakano Broadway „schmal und tief".

Besonders bekannt sind einige große Second-Hand-Ketten, die über mehrere Stockwerke hinweg Läden betreiben. Selbst bei derselben Marke unterscheidet sich das Sortiment je nach Etage, daher ist es effizient, sich vorab zu informieren, auf welchem Stock das Genre zu finden ist, das einen interessiert. Am Wochenende ist es ziemlich voll, daher ist es eine gute Strategie, an Wochentagen am Vormittag oder direkt nach Ladenöffnung zu kommen.

Um Nakano Broadway richtig zu genießen, sollte man mindestens 2 bis 3 Stunden einplanen. Wenn man sich beeilt, verpasst man zu viel. Schaut man sorgfältig in die kleinen Vitrinen in den Gangecken, auf die Kartons, die fast bis zur Decke gestapelt sind, und in die Auslagen neben den Treppen, warten unerwartete Entdeckungen. Genau das ist die Freude, die dieser Ort bietet.

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Den Den Town: Die entspannte Pilgerstätte der Kansai-Region

Den Den Town (offiziell Nipponbashi Denkigai), das südlich vom Bahnhof Namba in Osaka liegt, wird oft mit Akihabara verglichen, hat aber tatsächlich eine ganz andere Atmosphäre. Insgesamt sind die Straßen breiter und entspannter. Vielleicht dank der für die Kansai-Region typischen Händlerkultur sind auch die Gespräche mit dem Ladenpersonal eher ungezwungen.

Der Vorteil von Den Den Town liegt darin, dass innerhalb eines Blocks verschiedene Genres versammelt sind. Neben einem Figuren-Fachgeschäft befindet sich ein Maid-Café, daneben ein Retro-Spieleladen, und etwas weiter ein Doujinshi-Spezialist. Anders als in Akihabara, wo bestimmte Straßen vollständig auf bestimmte Genres spezialisiert sind, macht es gerade diese Mischung zu einem guten Ort für Besuche mit Menschen unterschiedlicher Hobbys.

Bei Second-Hand-Figurenläden gelten die Preise im Vergleich zu Tokyo als etwas niedriger. Natürlich variiert das je nach Artikel und Zeitpunkt, aber es ist gut zu wissen, dass selbst bei derselben Ladenkette Bestand und Preise regional unterschiedlich sein können. Wenn man Den Den Town besucht, empfiehlt es sich, es natürlich als Teil einer Osaka-Reise einzuplanen und entspannt zu erkunden.

Photo: mrmin123 / CC BY-SA

Praxis-Know-how für Second-Hand-Shop-Touren

In allen drei Regionen sind Second-Hand-Läden ein unverzichtbares Vergnügen. Um ein paar praktische Tipps zu teilen: Zunächst ist es wichtig, die Öffnungszeiten zu überprüfen. Große Läden öffnen in der Regel zwischen 10 und 11 Uhr vormittags, aber kleine Fachgeschäfte öffnen oft erst mittags oder nachmittags.

Produkte in Vitrinen kann man sich vom Personal herausnehmen lassen. Das sorgfältige Überprüfen von Kartonzustand, Vorhandensein von Zubehör, Ausbleichen etc. ist das Grundprinzip beim Gebrauchtkauf. Da die meisten Second-Hand-Läden unregelmäßig nachbestücken, hat man weniger Grund für Reue, wenn man sich vor Ort entscheidet, sobald man einen Artikel findet, der einem gefällt.

Wenn es in demselben Gebäude oder derselben Straße mehrere Läden gibt, ist es auch eine gute Methode, zunächst eine Runde zu drehen und dann die Preise zu vergleichen. Selbst bei identischen Produkten gibt es oft Preisunterschiede, da jeder Laden andere Bewertungskriterien hat. Durch den Besuch mehrerer Läden entwickelt man ganz natürlich ein Gefühl für die Marktpreise.

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Photo: tomer.gabel / CC BY-SA
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Zum Abschluss der Pilgerfahrt

Akihabara, Nakano Broadway, Den Den Town – diese drei Orte sind mehr als bloße Einkaufsstätten, sie sind lebendige Geschichte und Gegenwart der japanischen Otaku-Kultur. Wenn man durch die jeweiligen Straßen geht, spürt man gleichzeitig den Lauf der Zeit, die Veränderungen im Fandom und die immer noch heiß lodernde Leidenschaft.

Wer zum ersten Mal dort ist, sollte nicht versuchen, zu viel zu sehen. Allein eine Region ausreichend zu genießen, ist bereits eine bedeutungsvolle Erfahrung. Und es ist auch gut, einige Orte für den nächsten Besuch übrig zu lassen. Die Pilgerstätten warten schließlich immer an ihrem Platz auf uns.

Ich hoffe, dass diese Kolumne bei Ihrem nächsten Japan-Besuch ein wenig hilfreich sein kann. Ich wünsche Ihnen Ihre ganz eigenen besonderen Entdeckungen.

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