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YOSIMARKET COLUMN

Warum ich die Kartons nicht wegwerfen kann: Was Figuren-Verpackungen uns erzählen

Figuren-Kartons sind nicht bloß Verpackungsmaterial. Sie beeinflussen den Wiederverkaufswert, bestimmen die Lagerungsbedingungen und enthalten sogar die Philosophie der Hersteller – sie sind Teil der Figur. Nach 15 Jahren Sammeln habe ich erkannt: Den Karton zu bewahren ist der erste Schritt, die Figur zu bewahren.

Warum ich die Kartons nicht wegwerfen kann: Was Figuren-Verpackungen uns erzählen
Photo: PattayaPatrol / CC BY-SA

Hinter der Glasvitrine: die sich stapelnden Kartons

Kommen wir gleich zur Sache: Figuren-Kartons darf man nicht wegwerfen. Genauso wertvoll wie die in der Glasvitrine ausgestellten Figuren sind die ordentlich gestapelten Kartons auf dem Kleiderschrank dahinter – sie sind das Vermögen eines Sammlers. Ich bewahre noch immer den Karton meiner ersten 1/8-Scale-Hatsune-Miku von 2009 auf, und diese Lektion habe ich mir in 15 Jahren körperlich angeeignet. Jene Figur, die damals umgerechnet etwa 20 Euro kostete, weist heute auf dem Gebrauchtmarkt je nach Vorhandensein des Kartons nahezu den doppelten Preis auf.

Die Versuchung, Kartons wegzuwerfen, ist allgegenwärtig. Beim Umzug von der Ein- in die Zweizimmerwohnung, beim Anschaffen einer weiteren Glasvitrine, wenn die Schimpftiraden der Eltern zunehmen. Doch eine Figur ohne Karton erhält auf Gebrauchthandelsseiten vier verräterische Worte – „ohne Original-Verpackung" – und einen durchgestrichenen Preisschild. Als 2015 Good Smile Companys Saber Dress-Version neu aufgelegt wurde, erhielten Sammler mit dem Erstauflagen-Karton sogar einen Aufpreis. Grund war die Postkarte als Bonus, die nur dem Erstauflagen-Karton beilag.

Der Karton ist der Lebenslauf der Figur. Hersteller, Prototyp-Künstler, Bemalungsverantwortlicher, Erscheinungsjahr, Produktnummer wie eine ISBN – alle Informationen sind aufgedruckt. Wenn ich an der Seitenfläche eines Alter-Kartons den kleinen Credit „Painting: XXX" lese, stelle ich mir vor, durch welche Hände diese Figur bis in meine Glasvitrine gewandert ist. In dem Moment, in dem der Karton weggeworfen wird, verliert die Figur ihre Geburtsurkunde.

Karton-Design als Spiegel der Hersteller-Philosophie

Das Grundlayout der Nendoroid-Kartons von Good Smile Company hat sich seit der Erstveröffentlichung 2007 kaum verändert. Transparentes Sichtfenster vorne, Produktfotos an den Seiten, Posing-Beispiele auf der Rückseite. Diese Konsistenz schafft eine Einheitlichkeit, die selbst im Bücherregal statt in der Glasvitrine nicht fehl am Platz wirkt. Ich habe einmal in einem Community-Forum das Foto eines Bücherregals mit 500 Nendoroids gesehen – ein wahrhaft majestätischer Anblick. Der Rhythmus, den Kartons gleicher Höhe und gleichen Designs erzeugen, war genauso schön wie die Figuren selbst.

Alter hingegen entwirft für jedes Produkt ein neues Karton-Design. Der Karton zur 1/8-Scale-Shibuya-Rin aus „The Idolmaster Cinderella Girls", erschienen 2018, verwendete ein transparentes rosafarbenes Sichtfenster passend zur Kostümfarbe der Figur. Schon am Karton allein erkennt man, welche Figur sich darin verbirgt. Die Platzeffizienz bei der Lagerung mag geringer sein, doch Alters Haltung, jede Figur als eigenständiges Kunstwerk zu betonen, spiegelt sich auch in den Kartons wider.

Prize-Figuren-Kartons sind anders. Segas Premium-Figuren-Serie hat nur die Vorderseite transparent, der Rest besteht aus bedrucktem Karton. Das Schicksal von Prize-Figuren erfordert Kostenreduktion, dafür beträgt das Kartonvolumen etwa die Hälfte dessen von Scale-Figuren. Ich bewahre Prize-Kartons gefaltet auf. Ohnehin wirkt sich das Vorhandensein des Kartons beim Wiederverkaufswert nicht so stark aus wie bei Scale-Figuren. Eine pragmatische Entscheidung.

Photo: animaster / CC BY

Die Zeremonie des Karton-Öffnens

Die Anspannung beim erstmaligen Öffnen einer Figur ist auch nach 15 Jahren noch dieselbe. Vorsichtig das Klebeband an der Kartonseite lösen, den Deckel anheben, zwischen den Polstermaterialien die einzelnen Teile zum Vorschein kommen sehen. Dieser Prozess selbst ist eine Zeremonie. Bei Good Smiles Figmas sind die einzelnen Teile in der Blister-Verpackung so angeordnet, dass man beim Öffnen auf einen Blick sieht, „was man mit dieser Figur alles machen kann". Sechs austauschbare Handteile, drei Gesichtsausdrücke, zwei Waffen. Der Karton ist eine Gebrauchsanweisung.

Im Inneren von Scale-Figuren-Kartons liegt normalerweise eine Montageanleitung bei. Nur ein A4-Blatt, aber mit Diagrammen, die zeigen, in welchem Winkel der Korpus auf die Standfläche gesteckt werden muss und in welche Richtung die Haarteile gehören. Beim Zusammenbau von Max Factorys „Black★Rock Shooter" 1/8 Scale von 2014 wäre ich ohne diese Anleitung aufgeschmissen gewesen. Ich hätte nicht gewusst, in welche Löcher die sechs transparenten Effektteile gehören. Wirft man den Karton weg, verschwindet auch die Anleitung.

Viele Sammler bewahren Figuren nach dem Öffnen wieder im Karton auf. Wenn der Platz in der Glasvitrine knapp wird, wenn man die Figuren saisonal wechseln möchte. Der Karton ist das Zuhause der Figur. In der Originalverpackung zurückgelegt, ist sie am besten vor Staub und Feuchtigkeit geschützt. Ich packe meine Sommer-Badeanzug-Figuren im Winter in ihre Kartons. Um eine saisonale Ausstellung zu ermöglichen.

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Die Realität der Karton-Lagerung: Krieg mit dem Raum

Ideal und Realität sind zweierlei. Um alle Kartons aufzubewahren, benötigt man das Doppelte des Platzes für die Figurenausstellung. Ein 1/8-Scale-Karton misst ungefähr 25 cm Breite, 30 cm Höhe, 15 cm Tiefe. Zehn davon füllen bereits ein Schrankfach. Ab fünfzig nimmt eine ganze Zimmerwand Gestalt an. Ich besitze derzeit 37 Scale-Figuren, deren Kartons drei Unterbettboxen und das obere Schrankfach okkupiert haben.

Es gibt die Möglichkeit, Kartons gefaltet aufzubewahren. Bei einfach konstruierten Schachteln wie Nendoroids oder Figmas kann man sie – sofern man das Klebeband vorsichtig ablöst, ohne Spuren zu hinterlassen – zusammenfalten und wieder aufbauen. Das Volumen reduziert sich auf ein Fünftel. Allerdings lassen sich Blister-Verpackungen nicht falten, daher müssen sie separat gelagert werden. Die Umständlichkeit, sich beim Wiederaufbau an die ursprünglichen Positionen erinnern zu müssen, muss man in Kauf nehmen.

Manche Sammler fotografieren ihre Kartons und werfen sie dann weg. Alle sechs Seiten des Kartons werden fotografiert und in der Cloud gespeichert. Beim Wiederverkauf mit dem Hinweis „Kartonfotos vorhanden" versehen, soll dies vertrauenswürdiger sein als völlig ohne Karton. Doch die Beruhigung, die der physische Karton vermittelt, lässt sich kaum ersetzen. Bei Gebrauchtgeschäften fragen acht von zehn Käufern zuerst: „Ist der Karton dabei?"

Photo: othree / CC BY

Wenn der Kartonzustand den Wiederverkaufswert bestimmt

Im Gebrauchthandel mit Figuren wird der Kartonzustand in die Klassen A bis D eingeteilt. Klasse A bedeutet ungeöffnet oder keine Öffnungsspuren, Klasse B geöffnet aber sauber, Klasse C mit Quetschungen oder Ausbleichungen, Klasse D stark beschädigt oder ohne Karton. Der Preisunterschied zwischen Klasse A und D bei derselben Figur beträgt 30–50 %. Good Smiles „Love Live! Kotori 1/7 Scale" von 2017 wurde mit Karton Klasse A für 80 Euro gehandelt, ohne Karton für 45 Euro.

Ist eine Kartonecke eingedrückt, sinkt die Klasse um eine Stufe. Wenn beim Erhalt einer Figur per Paketdienst der äußere Karton (Versandkarton) eingedrückt ist, muss man sofort ein Foto machen. Es wird zum Beweis für eine Reklamation beim Verkäufer oder Paketdienst. 2016 kam eine Figur, die ich über eine japanische Versandseite importiert hatte, auf dem Weg vom Zwischenlager ins Inland mit stark eingedrücktem Karton an. Ich erhielt zwar eine Rückerstattung, aber die Figur war bereits ausverkauft und nicht mehr zu bekommen. Kann man den Karton nicht schützen, verliert man auch die Figur.

Japanische Gebrauchtläden führen Kartonschäden minutiös auf. „Seitliche Ausbleichung vorhanden", „Ecke 2 cm gerissen", „Klebebandspuren vorhanden" und Ähnliches. Auch im koreanischen Gebrauchthandel ist solche Transparenz nötig. Ehrlich über den Kartonzustand zu informieren ist langfristig der Weg, Vertrauen aufzubauen. Ein Verkäufer, der in der Community wegen „falscher Angaben zum Kartonzustand" gemeldet wurde, findet kaum noch Handelspartner.

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Die Welt der Premiums durch limitierte Kartons

Wonder-Festival-Limitierung, Animate-Bonus, Erstauflagen-exklusiver Karton. Solche limitierten Kartons werden mitunter teurer verkauft als die Figur selbst. Die Wonder-Festival-Limitierung des „Persona 5 Protagonist Nendoroid" von Good Smile aus 2019 enthielt als Bonus einen speziell gestalteten Karton. Die Figur wurde später regulär veröffentlicht, doch jener Karton wurde separat für 35 Euro gehandelt.

Der Wert von Erstauflagen-Bonus-Kartons steigt mit der Zeit. Selbst wenn Neuauflagen erscheinen, wird der Erstauflagen-Karton nicht reproduziert. Der Erstauflagen-Karton von Alters „Puella Magi Madoka Magica Homura 1/8 Scale" von 2013 enthielt eine Postkarte zum Kinofilm-Start. In der Neuauflage 2022 fehlte dieser Bonus, und Besitzer des Erstauflagen-Kartons ernteten in der Community mit ihrem „Erstauflagen-Nachweis" Neid.

Es gibt auch Wiederverkäufer (Scalper), die es auf limitierte Kartons abgesehen haben. Ich habe Fälle gesehen, in denen Wonder-Festival-limitierte Garage Kits mehrfach gekauft und nur die Kartons separat weiterverkauft wurden. Solches Verhalten wird in der Community angeprangert, verschwindet aber nicht, solange Nachfrage besteht. Wenn ich eine Limitierung kaufe, frage ich mich zuerst: „Werde ich diese Figur wirklich in die Glasvitrine stellen?" Lässt man sich vom Karton-Premium zu einem Impulskauf verleiten, landet man am Ende damit, sie einem Scalper zum Schleuderpreis zu überlassen.

Photo: othree / CC BY

Was zu prüfen ist beim Kauf einer Figur ohne Karton

Manchmal muss man eine Figur ohne Karton kaufen. Weil der Preis verlockend ist oder weil es sich um ein vergriffenes Produkt handelt, bei dem man sich die Frage nach Karton oder nicht gar nicht leisten kann. In solchen Fällen muss man den Figurenkörper umso genauer prüfen. Kein Karton bedeutet, dass die Lagerungsbedingungen unbekannt sind. Zuerst prüft man Verfärbungen. Ist weiße Kleidung gelblich verfärbt oder sind transparente Teile trübe geworden, wurde die Figur längere Zeit direktem Sonnenlicht ausgesetzt.

Auch das Fehlen von Teilen muss geprüft werden. Bei Scale-Figuren sind Standfläche, Stützen, Accessoires oft separat. In der Blister-Verpackung im Karton hat jedes Teil seinen festen Platz – ohne Karton ist es schwer zu beurteilen, ob etwas fehlt. Vor dem Handel sollte man fragen: „Fehlen irgendwelche Teile?" und möglichst um ein Gesamtfoto bitten. Eine Figma, die ich 2020 gebraucht kaufte, fehlte eines von drei austauschbaren Handteilen. Wie sich später herausstellte, hatte der Verkäufer sie mit anderen Figmas vermischt aufbewahrt.

Figuren ohne Karton sind beim Transport heikel. Wickelt der Verkäufer beim Paketversand nur Luftpolsterfolie um sie, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass bei Ankunft Teile abgebrochen sind. Man sollte sich angewöhnen, vor dem Handel zu fragen: „Wie werden Sie verpacken?" Gewissenhafte Verkäufer besorgen einen der Figurengröße angemessenen Karton und füllen ihn mit Polstermaterial. Auch ohne Originalkarton gibt es Möglichkeiten, sicher zu versenden.

"Magia Record: Puella Magi Madoka Magica Side Story" Madoka Kaname Kimono ver. 1/7 Scale Figure"Magia Record: Puella Magi Madoka Magica Side Story" Madoka Kaname Kimono ver. 1/7 Scale Figure

FAQ

Kann man Nendoroid-Kartons gefaltet aufbewahren?

Nendoroid-Kartons lassen sich falten und wieder aufbauen, sofern man das Klebeband vorsichtig ablöst. Entscheidend ist, die seitlichen Klebestellen beim Ablösen nicht zu beschädigen. Trennt man die innere Blister-Verpackung ab und bewahrt sie in einem Druckverschlussbeutel auf, kann man beim späteren Wiederaufbau die Teilepositionen nachvollziehen. Das Volumen lässt sich auf ein Fünftel reduzieren, was die Platzeffizienz erhöht – wünscht man jedoch eine perfekte Wiederherstellung, ist es sicherer, nicht zu falten.

Kann man Kartons separat kaufen?

Auf manchen Gebrauchthandelsseiten werden Kartons separat verkauft. Meist wenn der Karton intakt ist, die Figur aber beschädigt wurde, oder wenn limitierte Kartons weiterverkauft werden. Der Preis liegt bei etwa 10–20 % des Gebrauchtpreises der Figur. Da Hersteller Kartons nicht separat verkaufen, bleibt bei Verlust nur das Glück, auf dem Gebrauchtmarkt fündig zu werden. Den Karton von Anfang an gut aufzubewahren ist die beste Lösung.

Was tun, wenn wirklich kein Platz für Figuren-Kartons ist?

Man muss Prioritäten setzen. Hochpreisige Scale-Figuren und limitierte Kartons unbedingt aufbewahren, Prize-Figuren oder Produkte mit hoher Neuauflagen-Wahrscheinlichkeit können gefaltet oder weggeworfen werden. Tote Winkel wie Unterbettstauraum, obere Schrankfächer, Balkonlager maximal ausnutzen. Bewahrt man Kartons vertikal stehend statt horizontal gestapelt auf, spart man 30 % Platz. Wenn auch das nicht reicht, kann man Familie oder Freunde um Verständnis bitten und die Kartons vorübergehend unterstellen.

Wie detailliert muss man Kartonschäden beim Gebrauchthandel angeben?

Quetschungen ab 1 cm, Klebebandspuren, Ausbleichungen, Feuchtigkeitsflecken müssen alle mit Fotos dokumentiert werden. Vage Formulierungen wie „leicht beschädigt" sind Saat für Konflikte. Alle sechs Seiten des Kartons fotografieren und hochladen, beschädigte Stellen mit Nahaufnahmen ergänzen. Um zu verhindern, dass Käufer mit „schlechter als gedacht" eine Rückerstattung fordern, ist transparente Offenlegung für Verkäufer und Käufer gleichermaßen vorteilhaft. Ehrlicher Handel baut langfristig Vertrauen auf.

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Wer Figuren liebt, muss auch ihre Kartons lieben. Der Karton ist ein Archiv, das die Geschichte der Figur bewahrt, eine Versicherung, die ihren Wert schützt, und der Anstand, den man dem nächsten Sammler schuldet. Die Gewohnheit, Kartons ebenso sorgsam zu behandeln wie die Figuren in der Glasvitrine, ist die pragmatischste Weisheit, die ich in 15 Jahren Sammeln gelernt habe. Mögen auch heute wieder gute Begegnungen Ihre Glasvitrine erreichen.

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